Geflügelfleisch aus der Ukraine: EU als attraktiver Absatzmarkt
Die Ukraine punktet im Export mit Hühnerfleisch. Fleischkonzerne kaufen in Drittländern zu.
Angetrieben von einer hohen Nachfrage aus dem Vereinigten Königreich und der zollfreien Importquote von 120.000 t für Lieferungen in die EU wachsen die Hühnerfleischexporte der Ukraine in den Jahren 2026 und 2027 weiter in die Höhe. Im kommenden Jahr dürften die Auslandsverkäufe erstmals die Marke von 500.000 t überschreiten. Davon geht die US-Agrarattachée in Kyjiw in ihrer aktuellen Prognose aus.
Übernahmen in der EU
In ihrem Ausblick unterstellt die US-Marktbeobachterin für die Hühnerfleischerzeugung in der Ukraine 2026 ein dynamisches Produktionswachstum von 7 Prozent auf 1,48 Mio. t, an das sich im kommenden Jahr ein moderaterer Zuwachs von 4 Prozent auf 1,54 Mio. t anschließt. Treiber dieser Entwicklung sind die sechs großen, vertikal integrierten Konzerne, die zusammen für rund drei Viertel der landesweiten Produktionsmenge stehen. Der größte Spieler, die Myronivsky Hliboproduct (MHP), wächst zudem über den Zukauf von Unternehmen in der EU: Nach der Übernahme der spanischen Grupo Uvesa im Sommer 2025 weitete MHP zuletzt seinen Anteil an Griechenlands größtem Hühnerfleischerzeuger Th. Nitsiakos Avee auf 70 Prozent aus.
Wachsender Inlandsverbrauch
Die Nachfrage in der Ukraine befindet sich auf Erholungskurs. Infolge des von Russland begonnenen Krieges war der Hühnerfleischverzehr 2023 um 13 Prozent eingebrochen. Die US-Analystin rechnet damit, dass der Inlandsverzehr noch in diesem Jahr die Marke von 1 Mio. t wieder überschreiten wird und im kommenden Jahr mit 1,06 Mio. t fast an das Vorkriegsniveau heranreicht. Diese Erwartung geht zum einen auf die mittlerweile stabile Zahl von ungefähr 5,9 Millionen Ukrainern zurück, die vor dem Krieg ins Ausland geflüchtet sind. Zum anderen ist Geflügelfleisch die preisgünstigste und gefragteste Fleischart in der Ukraine. Die Agrarattachée verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass mögliche Kriegsfolgen das größte Risiko für Erzeugung und Nachfrage in der Ukraine darstellen.
Exporte steigen weiter
Im Außenhandel mit Hühnerfleisch geht die Schere zwischen Export und Import immer weiter auf. Während die Einfuhren vor allem preisgünstiger Schlachtnebenerzeugnisse seit 2024 bei jährlich 45.000 bis 50.000 t verharren (in diesem Bereich liegen auch die Erwartungen der US-Beobachterin für die Jahre 2026 und 2027), sind die Exporte nach dem Einbruch im Jahr 2023 stetig gewachsen, und zwar um rund 70.000 t. Im kommenden Jahr sollen weitere 40.000 t hinzukommen, was die Exporte auf 530.000 t hieven würde.
Der Schwerpunkt der Exportaktivitäten liegt “auf den Premium-Märkten der EU sowie dem derzeit uneingeschränkten Zugang zum Vereinigten Königreich”, so die US-Analystin. Das Vereinigte Königreich (UK) hat aufgrund des bis Frühjahr 2028 vereinbarten uneingeschränkten Marktzugangs und der erzielbaren Erlöse stark an Bedeutung gewonnen. Im kommenden Jahr könnten die Verkäufe der Ukraine in das Vereinigte Königreich mit denen in die EU vergleichbar sein. Im Gegenzug hat der Nahe Osten als Käufer an Bedeutung verloren.
Quelle: agrarticker.de
Autor: Markus Wolf