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Ernte 2026: Lieferausfall treibt die Kurse

Der Verkauf von Weizen in Deutschland ist derzeit attraktiv. Ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen am Schwarzen Meer könnte die Preise schnell sinken lassen. Agrarhändler Ludwig Striewe gibt Auskunft. 

Weltweit ist die Getreideernte etwas geringer als vermutet ausgefallen, dennoch haben Landwirte bei Weizen und Mais die bislang zweitgrößte Produktionsmenge eingefahren. Die Endbestände geraten im laufenden Wirtschaftsjahr 2026/27 in ein kleines Defizit, trotz der sehr guten Ernte reichen die Mengen nicht, um den globalen Bedarf zu decken. Die Vorräte der neun wichtigen Getreideexportländer sind der Maßstab für die Beurteilung der Vorräte, erklärt der Agrarhändler. 
Die Ernten der großen Player EU, Australien, Brasilien, Russland, Argentinien, Kanada, Kasachstan und USA decken rund 80 Prozent der weltweiten Exporte ab. Wird es in diesen Ländern zum Anschluss an die neue Ernte knapp, kommt es zu Preissteigerungen. Dann nimmt im Agrarhandel die Nervosität zu und es kommt zu Vorratskäufen. Das Handelshaus BAT ermittelt aus verschiedenen Faktoren beispielsweise Bestände und Verbrauch einen Gleichgewichtspreis für Weizen. Ausnahmejahre waren 2021/22 und 2022/23 als die Preise mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine durch die Decke gingen. 

Überschaubare Nachfrage 

Aktuell kommt es wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen und zerstörten Hafenterminals am Schwarzen Meer ebenfalls zu hohen Preisen. "Die Weizenpreise würden ohne den Schwarzmeerkonflikt um 30 Euro pro Tonne unter den aktuellen Kursen liegen", leitet der Händler nach dem Modell den Gleichgewichtspreis ab. Dieser würde ohne den Krieg in Russland und in der Ukraine rund 225 €/t betragen. Dass die Preise darüber notieren, ist auf den Lieferausfall der Schwarzmeerländer zurückzuführen. Insgesamt ist die Nachfrage nach Weizen auf dem Weltmarkt überschaubar. Denn die nordafrikanischen Länder wie Türkei, Iran, Marokko, Syrien und Algerien haben in diesem Jahr große Ernten eingefahren und kommen ohne die Lieferungen aus dem Schwarzen Meer aus. Striewe, der viele Jahre im Getreidehandel in der Ukraine verbrachte, berichtet von schwer beschädigten Hafenanlagen am Schwarzen Meer. 

Transport über die Donau 

Der Transport von Getreide aus der Ukraine erfolgt derzeit über die Donau in Binnenschiffen oder über Küstenmotorschiffe, die jedoch wegen des Niedrigwassers an der Donau nicht voll beladen werden. Auf Russland und die Ukraine entfielen vor Beginn des Krieges 2022 etwa 22 Prozent des Weltgetreidehandels, nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind es noch 18 Prozent. Pro Monat müssen deshalb aus der Ukraine gut 3 Mio. t exportiert werden, aus Russland gut 5 Mio. t, erläutert Striewe. Nun haben sich die monatlichen Ausfuhrmengen aus der Ukraine um 1 Mio. t verringert. 

Stau an der Donau 

An der Donaumündung stauen sich die Schiffe. Russland kann statt 5 Mio. t nur noch 2 Mio. t Getreide exportieren. Dieser Zustand sei, so der Experte, der einzige Grund, warum in Deutschland und an der Euronext die Preise derzeit so hoch ausfallen. Hingegen seien die fob-Preise in der Ukraine und in Russland dramatisch gefallen. Die Landwirte müssen wegen der Umwege hohe Transportkosten bis zu 100 €/t stemmen. Sobald sich die Märkte am Schwarzen Meer wieder öffnen, dürften die Preise deutlich fallen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die aufgestaute Exportmenge dann zusätzlich auf den Markt drängt, seien dann Preise von unter 220 €/t an der Euronext in Paris möglich. 


Quelle: agrarticker.de

14.09.2026
Agrarnachrichten EU Märkte und Export