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Europäische Integration des ukrainischen Agrarsektors: Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit und Logistik

Vom 27. September bis zum 1. Oktober 2026 fand im Rahmen des Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialogs ein Expertenbesuch in Brüssel statt, der der europäischen Integration des ukrainischen Agrarsektors gewidmet war. Die Delegation vereinte Vertreter der ukrainischen Regierung, des Ausschusses der Werchowna Rada für Agrar- und Bodenpolitik, des Staatlichen Dienstes der Ukraine für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz, von Agrarverbänden, Organisationen von Landwirten und Landfrauen, Wissenschaftler sowie ukrainische und deutsche Experten.

Den übergeordneten Rahmen des Programms bildete der Übergang von der Angleichung der Rechtsvorschriften zur praktischen Vorbereitung des Agrarsektors auf die Arbeit innerhalb des EU-Systems. Bei den Treffen wurden die institutionelle Leistungsfähigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der Erzeuger sowie die Entwicklung von Handels- und Infrastrukturverbindungen erörtert. Die Beteiligung von Vertretern verschiedener Institutionen und Organisationen ermöglichte es, Perspektiven der staatlichen Politik mit den Erfahrungen der Wirtschaft und den Bedürfnissen ländlicher Räume zu verbinden.

Das Programm begann mit einem Treffen mit dem Thinktank Farm Europe. Die Diskussion mit Luc Vernet und seinem Team befasste sich mit der Zukunft der europäischen Landwirtschaft, ihrer Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Ernährungssouveränität. Besonderes Interesse galt dem von Farm Europe entwickelten „Radar für Resilienz und Souveränität von Lebensmittelsystemen“, einem Instrument, das es ermöglicht, Produktion, Handel, Einkommen der Landwirte und Umweltindikatoren in ihrem Zusammenhang zu betrachten.

Nach Einschätzung von Farm Europe geht die Verbesserung einer Reihe von Umweltindikatoren mit einer Verschlechterung der sozioökonomischen Lage der Landwirte und einer Schwächung einiger traditionell starker Positionen der europäischen Agrarproduktion einher. Für die ukrainische Delegation bildete dies einen wichtigen Kontext: Die Vorbereitung auf die EU-Mitgliedschaft findet parallel zur Transformation des Agrarsektors der EU selbst statt. Der Dialog über den EU-Beitritt der Ukraine muss daher gemeinsame Herausforderungen und Chancen für die Stärkung des künftigen europäischen Agrar- und Lebensmittelsystems berücksichtigen.

Am 29. September fand mit Unterstützung des European Policy Centre (EPC) ein Runder Tisch zum Thema „EU-Ukraine-Solidaritätskorridore: von kriegsbedingten lebenswichtigen Routen zu einer resilienten Verkehrsanbindung“ statt. Die Veranstaltung verband dank der Teilnahme des Ministers für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine Taras Vysotskyi und des Ersten Stellvertretenden Ministers für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr der Ukraine Serhii Derkach die landwirtschaftliche und infrastrukturelle Dimension der Zusammenarbeit und stellte die weitere Entwicklung der Routen in den Mittelpunkt, die den ukrainischen Handel unter den Bedingungen des Krieges unterstützen.

Eine zentrale Frage war die wirtschaftliche Erschwinglichkeit alternativer Logistik. Für landwirtschaftliche Erzeuger sind die Kapazität einer Route, die Transportkosten, der Umschlag und die Wartezeit an der Grenze von Bedeutung. Hohe Logistikkosten schmälern die Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe und die für den nächsten Produktionszyklus verfügbaren Ressourcen. Zu den weiteren diskutierten Handlungsfeldern gehörten Investitionen in die Grenz- und Umschlagsinfrastruktur, die Entwicklung von Donau-Routen sowie die Versicherung von Kriegsrisiken für Agrargüter.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem effizienten Transit ukrainischer Erzeugnisse durch die EU zu den traditionellen Märkten in Afrika, im Nahen Osten und in Asien. Dieser Ansatz unterstützt ukrainische Erzeuger und trägt dazu bei, die Belastung der Märkte und Infrastrukturen der benachbarten EU-Mitgliedstaaten zu verringern. Gleichzeitig müssen Investitionen in die Solidaritätskorridore die langfristige Integration der Ukraine in das europäische Verkehrssystem berücksichtigen.

Die Treffen in Brüssel zeigten den engen Zusammenhang zwischen europäischer Integration, der Wettbewerbsfähigkeit des Agrarsektors und einer zuverlässigen Logistik. Für APD Ukraine bieten solche Besuche die Möglichkeit, einen direkten fachlichen Dialog zwischen ukrainischen Partnern und europäischen Kolleginnen und Kollegen zu fördern und die Vorbereitung auf die EU-Mitgliedschaft mit den praktischen Bedürfnissen der Agrarerzeuger zu verknüpfen.

Über weitere Veranstaltungen im Rahmen dieser Fachreise in die EU-Hauptstadt erfahren Sie in der nächsten Ausgabe unseres Newsletters.


Quelle: APD Ukraine

08.10.2026
Projektaktivität