2. Konferenz der ukrainischen BKP-Projekte in Polen
Vom 09. bis 11.09.2024 fand in Lublin, Polen, die 2. Konferenz der BKP-Projekte in der Ukraine statt. Ziel der Veranstaltung war der Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen BKP-Projekten sowie ihren ukrainischen und deutschen Partnern. Außerdem wurden aktuelle agrarpolitische Themen des Landes diskutiert, darunter (i) der Wiederaufbau des Agrarsektors in der Ukraine, (ii) die Annäherung des ukrainischen Agrarsektors an die EU und (iii) die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft heute und in der Zukunft. Neben den BMEL und MAPE waren die wichtigsten Projektpartnern zu dem Treffen eingeladen.
Zur Eröffnung der Konferenz wurden die Teilnehmenden von Herrn Taras Vysotskyi, dem ersten stellv. Minister für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine, sowie vom Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Herrn Cem Özdemir, begrüßt. Herr Vysotskyi dankte den deutschen Partnern für ihre Unterstützung in schwierigen Zeiten. Herr Özdemir begrüßte die Gäste und sicherte den Partnern weitere Unterstützung durch das Bundesministerium zu.
Im ersten Teil „Wiederaufbau des Agrarsektors in der Ukraine" stellte Herr Dieter Goertz vom Referat 624: Internationale Projekte, Twinning des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die aktuellen Unterstützungs- und Kooperationsprojekte des BMEL in der Ukraine vor. Anschließend präsentierten diese Projekte ebenfalls ihre aktuellen Tätigkeiten. Einen Überblick über die Ukraine Recovery Conference (URC) 2024 in Berlin gaben Herr Prof. Dr. Andrii Martyn vom Büro für Reformen des Ministerkabinetts der Ukraine und Herr Christoph Gilgen, BMEL Referat 625: Osteuropa, Zentral- und Ostasien, EU-Erweiterung. Herr Martyn skizzierte kurz die Auswirkungen der groß angelegten Invasion auf die Landwirtschaft, wobei der wichtigste Faktor die Reduzierung der Anbaufläche um 25% war. Der Experte wies zudem auf die Notwendigkeit hin, 174.000 km2 landwirtschaftliche Nutzfläche zu entminen, von denen bis 2024 bereits 30.000 km2 geräumt worden seien. Außerdem hob er die Störungen in der Logistik und in den globalen Lebensmittelversorgungsketten hervor. Prof. Martyn betonte die strategische Bedeutung des Agrarsektors für die Ukraine, insbesondere im Hinblick auf den Wiederaufbau und die Wiederherstellung des Exports landwirtschaftlicher Produkte. Er beschrieb die größten aktuellen Herausforderungen für die Agrarindustrie der Ukraine und nannte dabei die Zerstörung der Agrar- und Energieinfrastruktur, den zunehmenden Arbeitskräftemangel sowie den eingeschränkten Zugang zu Finanzierung und Krediten. Die Regierung misst der Umsetzung der Strategie zur Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Gebiete in der Ukraine bis 2030, die am 7. Juni dieses Jahres vorgestellt wurde, eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des Agrarsektors bei. Vertreter der APD-Pilotgemeinden sowie der regionalen Militärverwaltung Winnyzja und des Agrarausschusses der Industrie- und Handelskammer der Ukraine ergänzten die Diskussion zum Wiederaufbau der Ukraine.
Im zweiten Teil wurde das Thema „Annäherung des Agrarsektors der Ukraine an die EU“ diskutiert. Die Einführung zur Diskussion erfolgte in Form eines Online-Interviews durch Herrn Mykola Moros, Leiter der Abteilung für ländliche Entwicklung im Ministerium für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine (MAPE). Er betonte die umfangreiche Arbeit, die derzeit von MAPE zur Vorbereitung des Agrarsektors auf den EU-Beitritt geleistet wird. Diese umfasst die Ausarbeitung einer Reihe von Regulierungsdokumenten sowie die Anpassung von Verfahren an die EU-Anforderungen. Ein besonderer Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Sicherstellung der Lebensmittelsicherheit. An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Frau Polina Ivashchenko von der Abteilung für internationale Zusammenarbeit und EU-Integration des MAPE, Herr Goertz vom BMEL, Frau Mariya Yaroshko, Projektleiterin des APD Ukraine, und Herr Hans Kordik, Projektleiter des APD Moldova, teil. „Die Europäische Union sollte die Ukraine nicht als Konkurrenten sehen, sondern als zuverlässigen Partner der Zukunft. Dafür muss noch viel Arbeit geleistet, Aufklärungsarbeit betrieben, verlässliche Informationen bereitgestellt und eine Präsenz in Brüssel gezeigt werden“, äußerte Frau Yaroshko ihre Gedanken zur Perspektive der EU-Integration.
Im dritten Teil ging es um «die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft heute und in Zukunft». Einen fundierten Vortrag hielt Frau Dr. Zazie von Davier vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft. Sie betonte das große Potenzial und die bedeutende Rolle der Frauen in der Landwirtschaft in Deutschland. Dennoch bleiben viele Fragen offen, wie etwa die Nachfolge im Eigentumsrecht an Betrieben, die Verteilung von Aufgaben und Verantwortung sowie der Zugang zum Kapital. Frau Sofia Burtak vom Business-Netzwerk ländlicher Frauen präsentierte einen Bericht zur Situation der Frauen in der ukrainischen Landwirtschaft. Frau Burtak betonte, dass ländliche Frauen in der Ukraine während des Krieges vor zusätzlichen Herausforderungen stehen und daher weitere Aufgaben übernehmen mussten. Sie leiten landwirtschaftliche Betriebe, erlernen den Umgang mit landwirtschaftlicher Technik und eignen sich aktiv neue, notwendige Fähigkeiten an. Gleichzeitig könnte die zusätzliche Belastung übermäßig werden, was zu Erschöpfung, Gesundheitsproblemen und Burnout führen könnte. Dies muss bei der Entwicklung von Programmen zur Unterstützung und Förderung von Unternehmerinnen auf dem Land berücksichtigt werden. Die Hauptvorträge wurden durch eine anschließende Podiumsdiskussion ergänzt, an der neben den Referentinnen auch Frau Kateryna Skrylnyk, Leiterin des Bauernhofs „Fortuna 2015“, und Frau Iryna Kukhtina, Vorsitzende der Vereinigung der Beerenanbauer der Ukraine, teilnahmen. Die beiden Kolleginnen teilten ihre Erfahrungen bei der Entwicklung ihres Agrargeschäfts sowie ihre aktuellen Pläne, riefen die Teilnehmenden zur Zusammenarbeit auf und betonten die wichtige Rolle der Frauen auf dem Land in der ukrainischen Landwirtschaft. Diese Rolle war bereits vor dem Krieg von Bedeutung, hat jedoch nun eine noch größere Relevanz gewonnen, um die Fortführung der Produktion und die Entwicklung der ländlichen Regionen sicherzustellen.
Im Vorfeld des BKP-Treffens fand die planmäßige Projektfortschrittkontrolle (PFK) und Projektsteuerungssitzung (PSG) des APD statt, an denen wichtige Projektpartner aus der Ukraine und Deutschland teilnahmen. Die bisherige Arbeit des APD wurde als sehr gut bewertet. Es wird demnächst entschieden, ob der APD um ein weiteres Jahr verlängert wird. Im Falle einer Verlängerung wären die bisherigen Maßnahmen mit Pilotgemeinden zur nachhaltigen ländlichen Entwicklung und zur Förderung dieses Ansatzes sowie die Fortsetzung der Unterstützung und Begleitung des EU-Integrationsprozesses des Agrarsektors der Ukraine von Relevanz.
Quelle und Foto: APD