EU will mehr Soja, Erbsen und Raps: Wie Landwirte bald davon profitieren
Brüssel Die EU-Kommission will, dass Landwirte künftig mehr Eiweißpflanzen anbauen. Dazu soll es auch eine gezielte Förderung geben. Details zu Förderhöhen nannte EU-Agrarkommissar Christophe Hansen im Strategiepapier, das er am Dienstag (7.7.) vorlegte, indes nicht.
Gekoppelte Prämien für Raps und Grünland denkbar
Zumindest will sie mit der bevorstehenden Agrarreform ab 2028 auch höhere gekoppelte Direktzahlungen für Raps, Sonnenblumen, Soja-, Ackerbohnen oder Erbsen zulassen. Umsetzen müssen dies aber die EU-Staaten. Zudem soll der Anbau von beispielsweise Soja, Ackerbohnen oder Erbsen über Agrarumweltprogramme wie Kulap in Bayern weiterhin unterstützt werden.
Ein Anschubfinanzierung ab 2028 für neue Anbautechnik soll es Landwirten erleichtern, mehr Eiweißpflanzen in die Fruchtfolge einzuplanen. Auch für Grünland und Futterpflanzen wie Lupine oder Kleegras kann sich die Kommission ab 2028 gekoppelte Zahlungen vorstellen. Völlig neu ist das nicht. Bisher gibt es in Deutschland 60 €/ha Direktzahlungen für Leguminosen über die Ökoregelung vielfältige Kulturen (ÖR2) für Leguminosen.
Für wichtig hält die Kommission, auch im Starterpaket für Junglandwirte Anreize zu setzen, um den Anbau von Eiweißpflanzen bei der Hofübergabe zu forcieren. So seien junge Landwirtinnen und Landwirte mit einer unternehmerischen und anpassungsfähigen Denkweise oft Vorreiter beim Einführen neuer Technologien und nachhaltiger Wirtschaftsweisen.
Neue Züchtungstechniken, die nach dem novellierten Gentechnikrecht ab Mitte 2028 erlaubt sind, sollen zudem die Proteinpflanzen ertragreicher und wirtschaftlicher machen.
Eiweißimporte: Ukraine steht im Fokus
Mit ihrer Eiweißstrategie will Brüssel die EU unabhängiger von Importen machen. In knapp zehn Jahren soll der heimische Anteil an Proteinen aus Ölsaaten auf 35 % steigen. Das wäre eine Steigerung um ein Drittel.
Aktuell beträgt er nach EU-Angaben knapp 26 %. Der Großteil der Eiweiß-Importe erfolgt dabei über Sojabohnen und -schrot aus Brasilien, Argentinien und den USA. Sie belaufen sich auf 13,4 Mio. t. Das entspricht rund 13 Mio. ha Anbaufläche außerhalb der EU.
Aus der Ukraine kommen mit 0,9 Mio. t dagegen vergleichsweise wenig. Dabei erzeugt das Land rund 13,5 Mio. t Pflanzeneiweiß. Rund 60 % davon exportieren die Ukrainer. Daher schielt die Kommission längerfristig auf den Beitritt der Ukraine. Mit dem Beitritt könnte sich das Handelsdefizit der EU von 13,9 Mio. t auf 4,7 Mio. t Eiweißimporte verringern, heißt es im Strategiepapier.
Wertschöpfung für Eiweißpflanzen verbessern
Neben dem Anbau will die EU-Kommission aber auch die Wertschöpfungskette für Eiweißpflanzen stärken. So sollen Investitionen in Lager- und Verarbeitungskapazitäten unterstützt werden. Auch die gemeinsame Vermarktung will Brüssel fördern, sowie den regionalen Einsatz der Eiweißfuttermittel.
Absatzimpulse von Hülsenfrüchten erhofft man sich in Brüssel auch in der menschlichen Ernährung. Eine niedrigere Mehrwertsteuer könnte dies laut Strategie unterstützen.
Quelle: agrarheute
Autor: Josef Koch