Dürre, Preisflaute, Kostendruck: Für viele Agrarbetriebe in Deutschland wird es existenziell
Die Getreideernte 2026 fällt nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) deutlich unterdurchschnittlich aus. Das bleibt nach Einschätzung von DBV-Präsident Joachim Rukwied nicht ohne Folgen für die Liquidität auf den Höfen und die nächste Ernte. Er pocht daher auf Soforthilfen des Bundes, um die nächste Ernte zu sichern.
Starkes Nord-Süd-Gefälle
Der Bauernverband rechnet mit 41,9 Mio. t Getreide. Das sind 7 % weniger als2025. Der DBV schätzt die Ernte damit aber noch leicht besser ein als der Deutsche Raiffeisenverband, der vergangene Woche 40,9 Mio. t erwartet hatte. Der durchschnittliche Hektarertrag sinkt laut DBV um 9 % auf 68,9 dt/ha. Ein trockenes Frühjahr und die Hitzewelle während der Kornfüllung hätten vielerorts zur Notreife geführt.
„Die diesjährige Ernte ist von enormen regionalen Unterschieden geprägt, mit einem starken Nord-Süd-Gefälle“
erläuterte DBV-Präsident Joachim Rukwied am Dienstag (18.8.) in Berlin. Vor allem in Süd- und Westdeutschland hätten fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt.
Raps leidet besonders stark
Beim Winterweizen erwartet der DBV nur 20,9 Mio. t, 7 % weniger als im Vorjahr. Der Hektarertrag soll um 9 % auf 72,1 dt/ha zurückgehen. Besonders hart trifft es den Winterraps: Der Ertrag bricht laut DBV um 20 % auf 29,1dt/ha ein. Die Erntemenge liegt bei nur 3,3 Mio. t. Hier hatte der DRV eine Woche zuvor noch mit 3,7 Mio. t gerechnet und geht offenbar von deutlichhöheren Durchschnittserträgen aus. Rukwied verteidigte jedoch die Einschätzung seines Verbandes und beruft sich auf die direkten Erhebungen der Landesbauernverbände.
„Ein zu trockenes Frühjahr und dann Hitze und anhaltende Trockenheit habenviele Bestände erheblich geschädigt. Der Standort hat in diesem Jahr über den Ertrag entschieden wie selten zuvor“, so Rukwied.
Neben der Witterung hätten im Raps hoher Schädlingsdruck und begrenzte Pflanzenschutzmöglichkeiten die Bestände belastet.
Die Wintergerste kam dagegen vergleichsweise glimpflich davon. Mit 9,5 Mio.t bleibt die Menge auf Vorjahresniveau, weil eine größere Anbaufläche nach Einschätzung des Verbands die niedrigeren Erträge ausgleichen konnte.
Schlechte Ernte trifft auf niedrige Preise
Mit Blick auf die schwache Ernte warnt der DBV nun vor den wirtschaftlichen Folgen. Niedrigere Erträge, schwache Erzeugerpreise und hohe Kosten für Diesel, Dünger und Pflanzenschutz brächten zahlreiche Betriebe in Bedrängnis. Nicht wenige Höfe benötigten Sonder- oder Zwischenfinanzierungen, um zahlungsfähig zu bleiben. Teilweise werde ihm berichtet, dass Landwirtsfamilien Lebensversicherungen als Sicherheit bei der Bank hinterlegten, um die nächsten Monate zu finanzieren.
„Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Ohne die notwendige Liquidität sind sie nicht in der Lage, die nächste Ernte zu finanzieren“, betont Rukwied.
Der Präsident fordert deshalb ein Sofortpaket der Bundesregierung:
- Das Düngemittelhilfspaket auf 180 Mio. € aufstocken und zügig auszahlen.
- 80 % der Direktzahlungen bereits im Oktober überweisen; die restlichen 20% verbindlich im Dezember.
- Die Steuer auf Diesel sofort senken.
Zusätzlichen Druck sieht der DBV in der Tierhaltung: Geschädigtes Grünland und schwache Silomaiserträge gefährdeten die Futterversorgung. Inbesonders trockenen Regionen seien nach den ersten Schnitten keine weiteren Aufwüchse mehr gekommen. Rukwieds Warnung: Die Erntekrise betrifft damit nicht allein das Konto der Ackerbaubetriebe – sie kann auch den Viehhaltern noch lange in den Winter hinein zu schaffen machen.
Quelle: topagrar.com
Autor: Marko Stelzer