Bayer: Gefälschte Pflanzenschutzmittel werden in der Ukraine zunehmend vor Ort hergestellt
Nach seinen Angaben handelte es sich zu Beginn der Verbreitung gefälschter Produkte in der Ukraine überwiegend um ein „Garagengeschäft“. In Kanister wurden etwa Wasser, Farbstoffe, Flüssigseife und andere Mischungen abgefüllt, die lediglich den Eindruck eines Originalpräparats erwecken sollten.
„Später hat sich das Ganze weiterentwickelt und wurde professioneller. Die Beteiligten begannen, Geld zu investieren, weil es sich um ein sehr großes Geschäft handelt. Sie stellten Produkte her, die chemischen Präparaten zumindest ähnelten. Sie importierten Wirkstoffe und begannen, diese selbst zu mischen“, erklärte Muliar.
Früher sei ein Teil der gefälschten Pflanzenschutzmittel als Fertigprodukt aus anderen Ländern eingeführt worden. Verpackungen, Etiketten und weitere Bestandteile konnten separat importiert oder vor Ort hergestellt werden. Anschließend gelangten die Produkte unter dem Anschein, Originalware zu sein, auf den Markt.
Als weiteres Problem nannte Muliar die hohe Qualität der nachgeahmten Verpackungen. Nach seinen Angaben haben die Fälscher gelernt, Kanister, Etiketten, Druckerzeugnisse und sogar Sicherheitshologramme äußerst präzise zu kopieren.
Er wies zudem auf die Risiken beim Umgang mit reinen Wirkstoffen hin. In der legalen Produktion werden solche Substanzen in spezialisierten Anlagen verarbeitet, ohne dass Beschäftigte direkt mit dem Produkt in Kontakt kommen. In illegalen Produktionsstätten werden die Stoffe hingegen unter gefährlichen Bedingungen gemischt.
„Die Menschen, die diese Fälschungen herstellen, importieren den reinen Wirkstoff aus China und mischen ihn anschließend mit weiteren Substanzen. Das ist ein zusätzlicher Aspekt. Ich nehme an, dass sie dafür Menschen beschäftigen, deren Gesundheit dadurch langfristig schwer geschädigt wird“, fügte er hinzu.
Nach Angaben Muliars gelangt ein erheblicher Teil dieser Inhaltsstoffe möglicherweise als Schmuggelware oder unter der Bezeichnung anderer chemischer Substanzen in die Ukraine, beispielsweise als Reinigungsmittel oder als Zusatzstoffe für die chemische Produktion.
Er betonte, dass eine Fälschung selbst dann, wenn sie äußerlich dem Originalpräparat ähnelt, nicht über die vollständige Formulierung verfügt. Dabei geht es nicht nur um den Wirkstoff, sondern auch um Stabilisatoren, Hilfsstoffe und Substanzen, die die Phytotoxizität für Kulturpflanzen verringern.
„Man kann alle Bestandteile kennen. Die Herstellung eines Produkts erfordert jedoch bestimmte Temperaturen und einen bestimmten Druck. Keine der von uns untersuchten Fälschungen enthielt Stoffe, welche die Phytotoxizität reduzieren“, erklärte Muliar.
Die Folgen des Einsatzes solcher Präparate treten seinen Angaben zufolge möglicherweise nicht sofort auf. Eine Fälschung kann teilweise gegen einen Schädling oder ein Unkraut wirken, gleichzeitig jedoch Stressreaktionen bei der Kulturpflanze auslösen, Rückstände im Boden hinterlassen oder Probleme für die nachfolgende Kultur in der Fruchtfolge verursachen.
Quelle: latifundist.com