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Aufatmen bei Landwirten: EU-Parlament verhindert Anbau-Stopp von Soja

Der Sojaanbau hat in der EU eine Perspektive. Sojaerzeuger und die Ölmühlenbranche können aufatmen. Das EU-Parlament hat am Mittwoch (8.7.) Einspruch gegen die von der EU-Kommission geplante Einstufung von Soja als Rohstoff mit hohem Risiko für indirekte Landnutzungsänderungen (high iLUC), sprich Entwaldung, eingelegt.  

Damit ist der Kommissionsvorschlag mit einer knappen Mehrheit von 388 Stimmen gestoppt. Der Kommissionsvorschlag hätte den Anbau von Sojabohnen weitestgehend unwirtschaftlich gemacht. Dabei hatte die EU-Kommission erst am Vortag (7.7.) ihre Eiweißstrategie vorgelegt. Darin will sie Europa unabhängiger von Importen an Eiweißfuttermitteln machen und den Anbau von Eiweißpflanzen über gekoppelte Prämien ab 2028 fördern.

„Klatsche“ für EU-Kommission

Die Resolution des Parlamentes fordert die EU-Kommission auf, einen überarbeiteten Vorschlag vorzulegen und die wissenschaftliche Methodik zur Bewertung des iLUC-Risikos von Soja erneut zu überprüfen. Den vorgesehenen Ausstieg aus palmölbasierten Biokraftstoffen stellt die Kommission hingegen nicht infrage.  

Ob die Kommission nochmals einen neuen Vorstoß wagt, ist derzeit offen. Branchenkreise sprechen von einer „Klatsche“, die die Kommission im Parlament erhalten habe. Noch vor der Abstimmung hatten Kommissionsvertreter für ihren Vorschlag geworben und die Folgen für den Sojaanbau heruntergespielt. 

„Wer einerseits einen europäischen Proteinplan ankündigt und andererseits den heimischen Sojaanbau wirtschaftlich schwächt, obwohl dieser noch ein zartes, aber hoffnungsvolles Pflänzchen ist, verfolgt widersprüchliche Ziele“, kritisiert die Europaabgeordnete Christine Singer (Freie Wähler).

Nach Auffassung der EU-Kommission zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass das Ausweiten des Sojaanbaus mit einem hohen Risiko für Entwaldung einhergeht. Vor allem in südamerikanischen Wäldern sei eine Wechselwirkung zwischen der Ausweitung des Sojaanbaus und der Entwaldung in mehreren Studien festgestellt worden, heißt es in einem Bericht. Soja sollte daher im sogenannten iLUC-Delegierten Rechtsakt ab 2030 pauschal als Risikorohstoff klassifiziert werden, so die Empfehlung der EU-Kommission. iLUC steht für indirekte Landnutzungsänderungen.

Vorschlag hätte Sojaanbau unwirtschaftlich gemacht

Der Kommissionsvorschlag hätte nicht nur Sojabohnenanbauer in Südamerika getroffen, sondern vor allem die Sojaerzeuger in Deutschland und Österreich. So hätte auch aus einheimischem Sojaöl keine Biokraftstoffe mehr erzeugt werden dürfen, damit Mineralölfirmen diese auf die Treibhausgasminderungsquote anrechnen können.  

Der Absatzweg über Biokraftstoffe entfiele damit. Er ist aber für EU-Sojaproduzenten wichtig. Laut Donau-Soja fließen bis zu 80 % des europäischen Sojaöls in Biokraftstoffe. Wäre dieser Markt weggefallen, wäre die Verarbeitung europäischer Sojabohnen massiv unter Druck geraten oder sogar vollständig zum Erliegen gekommen, warnte im Vorfeld die Organisation.

Bayern und Österreich haben große Soja-Anbaufläche

2024 flossen in Deutschland rund 44.000 t Sojaöl in den Sektor. Bei einem „Ölertrag“ von ca. 0,7 t/ha macht dies rund 63.000 ha aus. In den Mengen ist auch ausländisches Sojaöl erfasst. 2025 lag die deutsche Anbaufläche bei rund 43.300 ha mit steigender Tendenz.  

EU-weit wurden laut Branchendienst Oil World 2024 etwa 1,1 Mio. t Sojaöl für Biokraftstoffe verwendet. Das entspricht ca. 1,5 Mio. ha Sojabohnen gegenüber 4,5 Mio. ha Raps. Weit über die Hälfte (56,8%) der deutschen Sojaerzeugung von gut 134.000 t im vergangenen Jahr kam aus Bayern. Österreich ist inzwischen zum drittgrößten Sojaerzeuger in der EU aufgestiegen, hinter Italien und Frankreich. 2025 ernteten Österreichs Bauern auf rund 86.000 ha etwa 272.000 t Sojabohnen. 


Quelle: agrarheute
Autor: Josef Koch

08.07.2026
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